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AKTUELLES                                                       


 

15.08.2022 (online)  142 Blühpatenschaften
15.08.2022 (direkt)  86 Blühpatenschaften
 

 228 gesamt

   

 

 

Auf und am Rand der Blühfläche in der Rosenstraße hat Laura Marie Ortmanns diese schönen Herbstbilder aufgenommen und die Stimmung eines noch sonnigen Tages eingefangen.

© Laura Marie Ortmanns

 

Ein Jahr ist es her, dass ein Freundeskreis der Anfang 2021 verstorbenen Tanja Wittmann aus Bergen die schöne und berührende Idee hatte, für eine Blühfläche zusammenzulegen, um einen blühenden und lebendigen Gedenkort für die Freundin zu schaffen. Dafür wurde die landschaftlich wunderbare Fläche zwischen zwei Wäldchen am Elbdeich nördlich von Damnatz um 2000 Quadratmeter vergrößert. Auf dieser „Tanja-Wiese“ kamen jetzt Freund*innen und Angehörige zu einer Feier anlässlich des Geburtstages von Tanja Wittmann zusammen. Dabei passte es gut, dass ein Teil der Fläche nicht lange vorher gemäht worden war, um die Gräser etwas zurückzudrängen und die Wildblumen zu fördern. Der Chor „Frauentöne“ nutzte die schöne Umgebung für stimmungsvolle Lieder. Schauspielerin Kerstin Wittstamm verzauberte alle mit ihrer Aufführung „Schmetterlingstanz“ und fand mit der Wiese die ideale Bühne. Vom Blühteam waren Torsten Schulz und Georg Wilhelm eingeladen und erläuterten mit einer kleinen Rede und einem Rundgang über die Fläche das Blühpatenprojekt und auch die besonderen Herausforderungen bei der Einsaat und Pflege dieser Fläche. Auch eine Gedenktafel wurde aufgestellt.   

Es war ein außergewöhnlicher und denkwürdiger Nachmittag in einer ganz besonderen Umgebung.

Die neue Gedenktafel und der Chor "Frauentöne"                               © Torsten Schulz

Aufführung "Schmetterlingstanz" von Kerstin Wittstamm                     © Georg Wilhelm

 

Vierzehn interessierte Menschen auf Fahrrädern (und ein hochmotivierter Hund) hatten sich am 20. August aufgemacht, das Feldrainprojekt in Damnatz in Augenschein zu nehmen. Hier sollen artenarme Wegeseitenräume durch Einsaaten wieder zu artenreichen, blühenden Lebensräumen werden. Insgesamt sollen 24 Wegeabschnitte von insgesamt sechs Kilometer Länge so aufgewertet werden. Bei 17 dieser Wegeparzellen hatten die Bodenvorbereitungen und Einsaaten im letzten Jahr stattgefunden, die restlichen folgen jetzt im Herbst. Das Projekt wird dankenswerterweise vom Landkreis Lüchow-Dannenberg und der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung finanziert.

Bei dieser „Tour de Feldrain“, zu der das Projektteam eingeladen hatte, waren die Eindrücke recht ermutigend. Bei allen Projektflächen haben die Einsaaten funktioniert, was in diesem extremen Dürrejahr alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Die Herausforderung war einerseits, dass die eingesäten Wiesenblumen-Samen (teils gekauftes Regio-Saatgut, teils selbst gesammeltes Lokal-Saatgut) erfolgreich keimen und als Jungpflanzen die Trockenzeiten ohne Beregnung überstehen mussten. Andererseits sollten auch die Gräser, die vor der Einsaat die Flächen bedeckt haben, nicht so massiv wiederkommen, dass die Wiesenblumen keinen Raum bekommen.

Bei der Entwicklung von artenreichen Wiesen und Wegrainen ist immer ein langer Atem nötig und wir wären schon zufrieden gewesen, wenn im ersten Standjahr die „Zielarten“ sich überhaupt schon als Blattrosetten etabliert hätten. Erfreulicherweise haben die Flächen in diesem Jahr aber auch ganz überwiegend bereits sehr reich geblüht oder tun es noch. Vor allem Wilde Möhre, Wegwarte, Wiesen-Flockenblume und Herbst-Löwenzahn prägen das Bild, weitere Arten stehen als Jungpflanzen bereit. Bereiche, in denen die Gräser wieder stark überwiegen, sind eher die Ausnahme.

Auf einem Teil der Wegraine wurde im Frühsommer schon einmal Heu gemacht. Das war zwar ein bisschen aufwändig, aber es war sehr erfreulich, dass der Aufwuchs dafür überhaupt schon brauchbar war. Wir hatten eingeplant, das Mähgut teuer zu einer Biogasanlage fahren zu müssen. Mähen und Mähgut entfernen ist auch und gerade schon im ersten Jahr nach einer Wiesenblumeneinsaat unverzichtbar. Die Wegraine mit Frühsommerschnitt sehen jetzt im Spätsommer durch eine zweite Blüte hervorragend aus und sind in manchen Bereichen die einzigen blühenden Inseln in einer verdorrten Landschaft. Als ein Beispiel von Insekten, die hier profitieren, konnte die Exkursionsgruppe Hosenbienen gut beobachten, eine Wildbienenart, die an ihren Beinen eindrucksvolle Pollenpakete von Wegwarten und Flockenblumen zur Versorgung ihrer Brut sammelte. Die noch nicht gemähten Flächen sind jetzt weitgehend verblüht, aber dafür tummeln sich hier viele Feldheuschrecken, die ihr Sommerkonzert veranstalten.

Zum Schluss wurde einer der Wegraine angesehen, bei denen die Einsaat noch aussteht und in diesem Herbst erfolgen soll. Hier war es wegen schwierigeren Bedingungen nötig, aufwändig einige Male zu grubbern und zu eggen, um ein Saatbeet zu schaffen.

Insgesamt klappt die Aufwertung der Feldraine bisher recht gut. Eine Nachahmung auch in anderen Kommunen kann empfohlen werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten eine interessante Rundfahrt, bei der als Zugabe auch eine Gruppe Schwarzstörche bewundert werden konnte.

Beim ersten Halt wurden zunächst die vorhandenen, artenarmen Freldraine (rechts) angesehen, hier mit nur drei Grasarten. Links am Weg ein Wegrain mit Wiesenblumeneinsaat.                                        © Torsten Schulz

 

Wegeabschnitt mit Einsaaten auf beiden Seiten.   © Torsten Schulz

 

Eingesäter Feldrain                   © Georg Wilhelm

 

Einsaaten aus der Nähe mit Wegwarte, Wilder Möhre, Rot-Klee und Schwebfliegen (Gemeine Keilfleckschwebfliege)    © Torsten Schulz

 

Hosenbiene auf Wiesen-Flockenblume                        © Georg Wilhelm

 

Obwohl auf allen unseren inzwischen elf Blühflächen weitestgehend die gleiche Saatmischung ausgebracht wurde, unterscheiden sie sich sehr. Wie sich die Flächen entwickeln, hängt zum Beispiel vom Boden ab, denn wir haben um Damnatz teils arme Sandböden und teils reichere Auenlehmböden. Eine wichtige Rolle spielt auch, ob sie sich im ersten, zweiten oder dritten Jahr nach der Aussaat befindet, ob im Frühjahr oder Herbst ausgesät wurde und was auf der Fläche vor der Aussaat wuchs. Es gibt deshalb durch das Projekt elf ganz unterschiedliche Blühflächen. Genau genommen sogar fast zwanzig, denn auch innerhalb der Flächen bestehen zum Teil große Unterschiede. Für die Tierwelt ist dieser Mix positiv, denn je größer die Vielfalt, umso eher ist für jeden was dabei.

Hier eine kleine „Typologie“ unserer Blühflächen in diesem Jahr:

 

Weiße Lichtnelkenpracht mit Fenchel- und Wegwarten-Akzenten – Blühflächen im dritten Jahr auf reicheren Böden

Im dritten Jahr nach der Aussaat können ausdauernde Arten wie Wiesen-Flockenblume oder Hornklee gut zum Zuge kommen. Solche Arten sind auf den Flächen auch reich vertreten. Besonders im Vordergrund steht hier in diesem Jahr aber noch die Weiße Lichtnelke, eine meist ein- oder zweijährige Pflanze, die vor allem für Nachtfalter sehr wertvoll ist. „Überragend“ ist oft der Fenchel, bei uns eine Kulturpflanze, die sich als ein Renner bei Wildbienen, Honigbienen, Käfern und anderen erwiesen hat. Ebenfalls „zum Höheren berufen“ ist die Wegwarte, die ihre himmelblauen Blüten nur vormittags zeigt, dann aber ein begehrter Treffpunkt vor allem von Hummeln ist.

Blühfläche Ortsausgang nach Kamerun (Ende Juli). Die Weiße Lichtnelke ist stark vertreten

Blühfläche Achter Höfe am Sonnenhof Ende Juli (3x), auch eine Blühfläche im dritten Jahr.

Fenchel

Wegwarte

Mit den Blühflächen auf „besseren“ Standorten im dritten Jahr sind wir recht zufrieden. Nur auf einem kleineren Teil ist der Aufwuchs etwas arg massereich und dicht. Vor allem dort wollen wir im August einen Teil mähen und das Mahdgut abräumen, damit auch konkurrenzschwächere Arten sich behaupten können. 

 

Unscheinbar von außen, aber mit besonderen "inneren Werten" – Blühflächen im dritten Jahr auf armen Böden

Die älteren Blühflächen auf armen Sandböden wirken von weitem eher wie Grasflächen, denn das rosagetönte Wollige Honiggras beherrscht das Bild. Von nahem betrachtet kann man aber erkennen, dass die Flächen durchaus sehr vielfältig und blütenreich sind. Positiv ist auch, dass der Bewuchs relativ lückig ist. Dadurch bedrängen und verdrängen sich die Pflanzen nicht gegenseitig. Bodennistende Wildbienen finden offene, besonnte Stellen, um ihre unterirdischen Nester anzulegen. In den Lücken können sich ergänzend zu den Aussaaten weitere Wildpflanzen entwickeln, zum Beispiel das Acker-Stiefmütterchen, auf dem die Raupe des Kleinen Perlmutterfalters lebt. Überhaupt kommt der nicht so dichte Aufwuchs vielen Insekten entgegen. Auf diesen Blühflächen haben wir bisher am meisten seltene und gefährdete Insektenarten gefunden.


Blühfläche Rosenstraße von der Straße aus gesehen: Gräser beherrschen das Bild (Ende Juli)


Die selbe Fläche aus der Nähe gesehen: Die Vielfalt ist hier besser zu erkennen.


Ähnlich artenreich, aber ebenfalls von weitem unscheinbar ist die Fläche an der Kirchstraße (Ende Juli).


Die gleiche Fläche Mitte August. Auch in der größten Trockenheit, wo in der Landschaft kaum noch etwas blüht, ist hier an Wildblumen und Insekten eine Menge los. (Im Vordergrund Rainfarn und Wiesen-Flockenblume)

Obwohl die älteren Blühflächen auf armen Sandböden zugegebenermaßen optisch aus der Ferne nicht gerade einen Schönheitspreis erwarten können, ist ihr Wert für die Artenvielfalt sehr hoch. Wir sehen jetzt im Sommer noch keinen Sinn in einer Pflegemahd. Allenfalls mähen wir „Problemzonen“ kleinflächig, zum Teil per Hand (vergraste Ränder, Quecken, Acker-Schachtelhalm...).

 

Großer Auftritt für Steinklee und Wilde Möhre – Blühflächen im zweiten Jahr auf reicheren Böden

Im letzten Jahr kamen in großer Menge auf den besser nährstoffversorgten Flächen die zweijährigen Arten Echter Steinklee und Weißer Steinklee sowie die Wilde Malve auf und sorgten für reichen Besuch von Honigbienen und Hummeln. Auf zwei später dazugekommenen Flächen findet nun in diesem Jahr die „Steinkleephase“ statt, zum Teil auch mit viel, ebenfalls zweijähriger, Wilder Möhre. Im Frühsommer boten diese Flächen einen besonders ansprechenden, blütenreichen Anblick und haben im Juli vom Blühaspekt her etwas nachgelassen. Jetzt im August sind sie durch die Dürre vorzeitig weitgehend verblüht.